Kneipp-Kur

Kneipp-Kur

Die Kneipp-Kur wurde vom Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897) begründet. 1849 erkrankte der 28-jährige Kneipp an Tuberkulose und als ihm die Ärzte nicht weiterhelfen konnten, begann er sich selbst mit Wasserkuren zu heilen. Er studierte die Erkenntnisse von Johann Siegmund Hahn, dem Begründer der Wasserheilkunde in Deutschland. Durch Bäder in der eiskalten Donau gelang dem jungen Kneipp die Selbstheilung. Fortan kurierte er auch kranke Kommilitonen und begann seine Therapie weiter zu entwickeln.

Anfangs wurden Kneipps Methoden verschmäht und sogar gerichtlich verboten. Nach diesen anfänglichen Verschmähungen hat sich die Kneipp-Methode heute an über 60 staatlich anerkannten Kneipp-Kurorten etabliert und wird zunehmend von der Schulmedizin als ergänzende, nicht konkurrierende, Therapie anerkannt. Die als Kneipp-Ärzte ausgebildeten Mediziner sind im Kneippärztebund organisiert.

Die Kneipp-Therapie bildet einen ganzheitlichen, Natur belassenen Ansatz dar, Körper und Seele in Einklang zu bringen, und beruht auf fünf Säulen:
• Die erste Säule bildet die Hydrotherapie, bei der dem Körper gut dosierbare Wärme- und Kältereize zugeführt werden. Man kann z.B. in kühlen Bächen das Wassertreten praktizieren oder abwechselnd warm und kalt duschen. An vielen Bächen führen ausgebaute Stege ins Wasser und Hinweistafeln erklären die Methodik des Wassertretens. Die Hydrotherapie fördert die Durchblutung, stärkt das Immunsystem, macht lebhaft und trägt zum besseren Einschlafen bei.
• Eine weitere Basis bildet die Ernährung: Bei der Kneipp-Kur wird viel Wert auf eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung gelegt. Eine hochwertige Vollwert- und Basiskost soll den Patienten mit vielen Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen versorgen. Dazu zählen Obst, Gemüse, Vollkornprodukte u. A.
• Ausreichende Bewegung bildet das dritte Standbein der Kneipp-Therapie. Die Muskeln werden gestärkt, die Körperfunktionen werden angeregt, Herz und Kreislauf kommen in Schwung, das Immunsystem wird gestärkt. Kneipp hat besonders das Barfußlaufen empfohlen.
• Eine vierte Stütze stellen Therapiemaßnahmen mit Heilpflanzen dar: Zur äußerlichen Anwendung kommen Salben, Badezusätze, ätherische Öle und Kompressen, die wohltuend und lindernd auf den Körper einwirken. Innerlich tragen Tees, Tinkturen und Säfte zur Reinigung und Entgiftung des Körpers bei.
• Als fünfte Säule nannte Kneipp die so genannte Ordnungstherapie. Damit ist gemeint, den eigenen biologischen Rhythmus zu finden, der innere Ausgeglichenheit ermöglicht. Diese kann verstärkt werden durch Übungen wie Yoga und Entspannungstechniken.

Die Kneipp-Kur wird in Kuraufenthalten von drei bis vier Wochen unter ärztlicher Aufsicht angewendet. Bei den Kneipp-Anwendungen sind Vorsichtsmaßnahmen zu beachten, um den Kreislauf nicht übermäßig zu beanspruchen: So müssen etwa vor dem Wassertreten die Füße warm sein und nach der Prozedur wieder warm gehalten werden. Viele Techniken, etwa die Kalt-Warm-Wasseranwendungen oder Bewegungstherapie lassen sich nach einer fachmännischen Anweisung auch zu Hause anwenden.

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